Überschreitung des Watzmann und Umrundung des Königsees;
03.07. –07.07. 1999
VON: Frank Velten
FÜNF-Tage-Runde
Anreise
02.07.1999;
Wie schon einige Male zuvor, treffen Vera und ich uns in Würzburg. Vera ist mit dem Zug von Kiel gekommen und ich mit dem Auto aus Bonn. Wir fahren gleich weiter bis nach Nürnberg (Rastplatz Feucht), um hier im Auto (VW-Bus) zu übernachten. Nächster Morgen, ich habe noch einiges zu arbeiten, den Rest will ich bei einem Kollegen (Jürgen) in München im Büro erledigen. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir München, ich eile gleich ins Büro des Kollegen, während Vera gut 2 Stunden Shopping in München macht. Diese zwei Stunden reichen Vera aus, um ein Sommerkleid und einen Hut zu kaufen. Den Nachmittag und die Nacht verbringen wir bei Jürgen (auch ein Freund der Berge). Am nächsten Morgen starten wir ganz früh, weil auch Jürgen weg will. Gemeinsam fahren wir noch bis zur Abfahrt Berchtesgaden/Reichenhall mit zwei VW-Bussen, dann trennen sich unsere Wege... Jürgen fährt weiter zum Mondsee und wir nach Berchtesgaden bzw. Ramsau (Wimbachgriesbrücke) dem Startpunkt unserer Tour.
1. Tag 03.07.99
1 Tourenverlauf
Wir starten um 10.20, für Vera ist es das erste Mal mit vollem Gepäck. Wir kommen gut voran, durch Fichtenwälder steigt der Weg über die Stubenalm (1100 m) und dann weiter zur bewirtschafteten Mitterkaseralm (1400 m). Der Wald lichtet sich und gibt den Blick auf den Watzmann Hocheckgipfel frei. Es wird heiß, ein wunderschöner Sommertag. 2 ½ Stunden später kommen wir am Watzmannhaus (1930 m) an. Den Nachmittag verbringen wir auf der Sonnenterrasse der Hütte, nebenbei bekommen wir die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Besteigung des Watzmanns durch Valentin Stanic mit. Es soll eine Bronzetafel die dem Erstbesteiger gewidmet wurde enthüllt werden. Zu diesem Zweck sind neben Vertretern aus Politik, der Naturschutzbehörde auch Landsleute des Erstbesteigers (Tschechien) hier hochgekommen. Morgen werden einige dieser Landsleute in historischer Kleidung die Route des Erstbesteigers nachgehen. Auch Funk (BR 3) und Fernsehen sind reichlich vertreten. Na das wird ja morgen eine Menge los sein, denn auch wir wollen den Watzmann besteigen bzw. überschreiten.

Blick zum
Hocheck
Watzmannhaus
2 Infos zur Tour
Wetterlage: heiß und sonnig
Höhendifferenz:
Aufstieg:
Wimbachgriesbrücke – Watzmannhaus
1050 HM
Gehzeiten: ca. 2 1/2 Stunden mit Pausen
Einkehrmöglichkeiten: Mitterkaseralm
Unterkunft: Watzmannhaus
Ausrüstung: siehe Packliste
Literatur: Zeitschrift „Bergsteiger“ Heft 4/96 Seite 11 (Beschreibung der Tour)
Informationen: Zur Watzmann-Überschreitung E.Hüsler, Klettersteigatlas 1999 Nr. 091 (mittelschwer)
2. Tag 04.07.99
1 Tourenverlauf
Abmarsch ist um 6.55 Uhr. Wir sind einer der letzten Bergwanderer, die zum Gipfel „Hocheck 2651 m“ aufsteigen. Oben am ersten Gipfel verschnaufen wir erst einmal....der weitere Weg zur Mittelspitze 2713 m, ist recht gut zu sehen und wie sich auch herausstellt soweit gesichert, dass auch Bergwanderer, die eher selten unterwegs sind , zumindest bis zur Mittelspitze wenig Schwierigkeiten haben werden. Zu linken Seite wird der Blick frei hinunter zum Königssee und zum Obersee. Unter uns befindet sich auch die "legendäre“ Watzmannostwand, eine echte Herausforderung wegen ihrer Länge. Auf dem Gipfel der Mittelspitze ist immer noch einiges los. Bis hierhin sind die meisten Bergwanderer gekommen. Vera ist beim Anblick des weiteren Weges zur Südspitze zunächst etwas unsicher. Im Nachhinein stellt Vera fest, dass die Gratüberschreitung dramatischer aussieht als zunächst angenommen. Der Steig hochalpin hat so gut wie keine Sicherungen. Teilweise durchsteigen wir Gelände im I und auch II Grad, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier unbedingt erforderlich. Auch sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Watzmannüberschreitung eine sehr lange und anstrengende Tour ist. Sie sollte auch nur bei guten Wetterverhältnissen unternommen werden.
Blick zur Mittelspitze
Von der Mittelspitze zur Südspitze (2713 m) benötigen wir noch einmal 1,45 Stunden. Unterwegs haben wir noch mal 20 min gehalten, um die einmalige Rundumsicht zu genießen. Um 13.00 Uhr starten wir vom Südgipfel (2712 m) den Abstieg ins Wimbachgries. 1400 m abwärts, über Altschneefelder (es ist Nachmittag und der Schnee aufgeweicht), plötzlich gleitet Vera aus, reißt mich mit um und dann rauschen wir beide hangabwärts. Nur mühsam gelingt es mir unsere unfreiwillige Rutschpartie zu stoppen. Vera ist völlig aufgelöst und will keinen Schritt weiter tun. Nicht weit vor uns geht es über eine Kante steil ab... das hätte ins Auge gehen können. Nach „gutem“ Zureden und Hand in Hand gehen meistern wir das letzte Stück des Schneefeldes. Vera ist heilfroh wieder festen Fels unter ihren Füssen zu haben.
Pause unterwegs
Um 17.10 Uhr erreichen wir die Wimbachgrieshütte (1327 m), eigentlich wollten wir weiter zur Ingolstädter Hütte, aber da wir nun fast 10 Stunden unterwegs sind übernachten wir hier.
2 Infos zur Tour
Wetterlage: heiß, Bilderbuchwetter
Höhendifferenz:
Aufstieg:
Watzmann Haus – Hocheck 720 HM
Hocheck – Mittelspitze 100 HM
Mittelspitze – Südspitze 150 HM
Abstieg:
Südspitze – Wimbachgries Hütte 1400 HM
Summe Aufstieg: 970 HM
Summe Abstieg: 1400 HM
Summe Strecke:
Gehzeiten: ca. 10 Stunden mit Pausen
Einkehrmöglichkeiten: keine
Unterkunft: Wimbachgrieshütte (Naturfreundehaus, Lager 20,-DM/Nacht)
3. Tag 05.07.99
1 Tourenverlauf
Nach einem guten Frühstück auf der Wimbachgrieshütte geht’s um 9.00 Uhr los. Oh man(n) die ersten Schritte sind eine Qual. Beide haben wir einen heftigen Muskelkater durch die Anstrengungen des gestrigen Tages. An dieser Stelle sei angemerkt, nichts geht über eine rechtzeitige Vorbereitung. Wir „quälen“ uns zum Trischübel (1754 m) Pass hinauf und zweigen hier auf den Weg Nr. 411 zum Hundstodsattel (2188 m) ein. Der Weg ist steil und führt über einige Altschneefelder. Immer wieder halten wir an, um zu trinken, denn es ist sehr warm. Am Hundstodsattel halten wir uns recht, steigen ca. 180 HM hinab und erreichen in einem weiten Bogen an einem Hang entlang, die Ingolstädter Hütte (2119 m). Ein wunderschöner Platz für eine Hütte.
Die Hütte liegt am Rande des Steinernen Meeres. Dahinter geht’s hinunter zum Dießbachstausee (1415 m). Rechts der Hütte ist der Große Hundstod (2594 m) und nach links hinüber breitet sich das gesamte Steinerne Meer aus. Wellen zu Stein erstarrt, eine beeindruckende Laune der Natur. Dahinter erhebt sich die Schönfeld Spitze (2653 m).
2 Infos zur Tour
Wetterlage: heiß
Höhendifferenz:
Aufstieg:
Wimbachgrieshütte - Ingolstädter Haus
Summe Aufstieg: 900 HM
Summe Abstieg: 150 HM
Summe Strecke:
Gehzeiten: ca. 4,5 Stunden mit Pausen
Einkehrmöglichkeiten: keine unterwegs
Unterkunft: Ingolstädter Haus (9,-DM/Nacht AV-Mitglied)
4. Tag 06.07.99
1 Tourenverlauf
Heute Nacht pfiff der Wind über die Hochebene. Wir hatten schon Sorge, dass das Wetter schlechter wird, dennoch auch wenn wir bei schönem Wetter losgehen, irgendwas liegt in der Luft. Für heute nachmittag ist Regen bzw. Gewitter angesagt. Erstes Etappenziel heute ist das Riemann Haus (2177 m). Zunächst folgen wir dem gut erkennbaren Weg, aber die Spur wird immer schlechter, Schnee hat die Markierungen abgedeckt und eine Spur ist nicht zu erkennen.
Blick zurück Richtung Ingolstädter Haus
Im Hintergrund der Watzmann
Nun mit einigen Zickzack finden wir den Weg zum Riemann Haus. Uns folgen noch einige Wanderer, die unsere Spur als Wegweiser nutzen. Das Riemann Haus liegt vor einer großen Felsbresche, dahinter einige Hundert Meter tiefer liegt der Ort Maria Alm. Wir genehmigen uns hier ein zweites Frühstück, schauen dem Treiben vor der Hütte zu, es üben hier Soldaten des österreichischen Heeres. Wir folgen nun dem Weg Nr. 413 zum Kärlinger Haus ( 1630 m). Am Salzburger Kreuz 2135 m und an der „Wundequelle“ (wegen des Schnees nicht zu sehen) vorbei steigen wir dann hinab zum Funtensee (1601 m). Schon von weitem ist die recht große Hütte zu sehen. Sie steht oberhalb des Funtensees. Beim umrunden des Funtensees sehen wir eine Vielzahl von Murmeltieren die hier ihre Behausungen haben. Mit spitzen lauten Schreiben warnen sie ihre Artgenossen, so dass Fotos dieser putzigen Tiere nur aus der Ferne gemacht werden können. Die Hütte stellt sich als recht groß heraus. Es ist Platz für über 130 Personen. Wir verbringen den Abend mit drei weiteren Ehepaaren am Tisch, es ist eine lustige Runde.
2 Infos zur Tour
Wetterlage: warm, später wolkig, leichter Nebel und bei Ankunft an der Hütte Nieselregen
Höhendifferenz:
Aufstieg:
Ingolstädter Haus – Riemann Haus
Riemann Haus – Kärlinger Haus
Summe Aufstieg: 200 HM
Summe Abstieg: 700 HM
Summe Strecke:
Gehzeiten: ca. 4,5 Stunden mit Pausen
Einkehrmöglichkeiten: Riemann Haus
Unterkunft: Riemann Haus, Kärlinger Haus (9,-DM/Nacht AV-Mitglied)
5. Tag 07.07.99
1 Tourenverlauf
Heute sind wir schon früh auf den Beinen, um 7.15 Uhr laufen wir vom Kärlinger Haus los. Wir nehmen den Weg (Nr. 422) der uns zum Grünsee (1474 m) führt. Über Treppen und Stufen, die teilweise schon von Pflanzen überwuchert sind kommen wir zum Grünsee. Alles um uns herum ist noch feucht vom Regen der vergangenen Nacht. Unterwegs haben wir immer wieder nach unten sehen müssen, denn nach
dem Regen kommen die Alpensalamander aus ihren Behausungen. Und die wollen wir nicht zertreten. Weiter geht es zum Schwarzsee, man hat den Eindruck, als würde diese Variante kaum begangen werden, um so besser für uns, denn so geniessen wir unsere Wahrnehmung allein ohne Störung.
Beide Seen liegen total idyllisch, der Weg Nr. 422 ist ein Weg durch einen wunderschönen Alpengarten. Überall die verschiedensten Alpenblumen, die Vögel zwitschern und der Boden riecht feucht vom Regen. Vom Schwarzsee steigen wir zum Halsköpfl (1719 m) auf. Hier laufen wir parallel zum Obersee, nur 1100 m höher, zur Wasseralm (1423 m). Der Blick zum Obersee hinunter ist phantastisch (siehe auch Bilder). Nach 3, 5 Stunden erreichen wir die Wasseralm, ein netter älterer Herr macht hier Ausbesserungsarbeiten an der Hütte. Eigentlich ist die Wasseralm eine Selbstversorgerhütte, seit dem 01.07. wird sie jedoch regelmäßig bewirtschaftet. Der „Hüttenwirt“ kocht uns einen Kaffee und erzählt uns seine Geschichte und die Geschichte der Hütte, die er seit vielen Jahren „versorgt“. Es ist so schön hier zu sitzen und zu trinken, dass wir gar nicht bemerken, wie die Zeit voran schreitet. Nach 1 ½ Stunden machen wir uns wieder auf den Weg. „Gerüchten“ zufolge soll es einen sehr guten und reichlichen Kaiserschmarren auf der Grotzenalm (1685 m) geben, dies ist Grund genug nun zügig weiter zu gehen.
Nach der Wasseralm kommen wir an einem Wasserfall vorbei, der den Obersee speist, von hier haben wir ein tolles Fotomotiv über Obersee und Königssee. Bis nach St. Batholomä am Königssee kann man schauen.

Blick auf den Obersee, Königssee und im
Hintergrund auf die Watzmann Ostwand
Wieder 400 HM aufwärts zur Mitterhüttenalm (verfallen)und dann auf den Weg Nr. 492/493 zur Regenalm. Nach 3.10 Stunden erreichen wir mittlerweile völlig durchnäßt (es hat zwischenzeitlich angefangen zu regnen) die
Grotzenalm.
Hier erhalten wir den zuvor erwähnten Kaiserschmarren, der tatsächlich auch sehr lecker und reichlich ist. Gut 1 ½ Stunden nach uns erreichen auch das Paar aus Traunstein, die uns seit der Ingolstädter Hütte folgen, die Grotzenalm. Wegen des schlechten Wetters entscheiden wir und weiter zum Königssee zu laufen, weil die Wetteraussichten keine Besserung melden. Über die Fahrstrasse erreichen wir die Gotzenthalalm (1108 m), weiter über den Weg Nr. 493 erreichen wir um 18.00 Uhr den Großparkplatz am Königssee. Leider fährt kein Bus mehr Richtung Wimbachbrücke, ich versuche es per Anhalten, nur zögernd wollen einige junge Leute uns mitnehmen. Zwischenzeitlich hatte Vera einen BMW-Fahrer angesprochen, dieser hatte der netten direkten Art von Vera nichts entgegen zu setzen, so dass wir einige Minuten später schon auf dem Weg zu unserem Auto sind.
Um 18.45 Uhr stehen wir nach fünf aufregenden Tagen wieder am VW-Bus, die Tour „Watzmann" mit Umrundung des Königssees“ ist beendet.
2 Infos zur Tour
Wetterlage: frisch, später regnet es
Höhendifferenz:
Kärlinger Haus – Wasseralm 100 HM auf, 200 HM ab
Wasseralm – Grotzenalm 200 HM ab, 400 HM auf
Grotzenalm – Königssee 950 HM ab
Summe Aufstieg: 500 HM
Summe Abstieg: 1350 HM
Summe Strecke:
Gehzeiten: ca. 8,40 Stunden mit Pausen
Einkehrmöglichkeiten: Wasseralm, Grotzenalm
Unterkunft: Grotzenalm privat (30,- DM/Person mit Frühstück)