Klettersteigwoche am Dachstein

Juli/August 2001 


VON: Frank Velten

Fünf-Tage-Runde

 

TEILNEHMER(IN): Vera Velten,  Frank Velten


ORGANISATION: Frank Velten 

SCHWIERIGKEITEN: Eine Tour für erfahrene Bergsteiger, die sich in leichtem Fels und auf schwierigen Klettersteigen ebenso auskennen wie auf dem Gletscher. Komplette Hochtourenausrüstung sowie Klettersteigset sind unerlässlich! 

1. Tag 31.07.01


1 Tourenverlauf


Schon der Artikel im Bergsteiger hatte mich fasziniert einmal diese Klettersteigwoche am Dachstein zu "erleben". Obwohl die beschriebenen Klettersteige als schwer bis sehr schwer (ausser Ramsauer Klettersteig; mäßig schwierig) kategorisiert sind, habe ich Vera für diese Tour begeistern können, denn dieser Schwierigkeitsgrad war für Sie neu.

Und nun begleitet uns "virtuell" fünf Tage durch´s Dachsteingebirge....

Zunächst hatten wir größte Mühe unser Auto für diese fünf Tage irgendwo abzustellen, denn es gibt ausser an der Talstation der Hunerkogelbahn  keinen öffentlichen Parkplatz in der Nähe eines Zustiegs, wo man ohne Sorge sein Auto für mehrere Tage abstellen kann. Nach einigem hin und her fahren, sprach Vera eine Frau an, die gerade in ihrem Vorgarten arbeitete, ob wir unser Auto bei ihr abstellen dürften. Sie meinte, dies sei kein Problem, sie habe noch keine Feriengäste und daher sei der Parkplatz frei. Darüber hinaus versorgte Sie uns noch mit Tipps für die Tour und wir machten uns gegen 10.00 Uhr auf den Weg. 

Von Ramsau Ort (1135 m) über den Silberkar Höhenweg erreichen wir die Silberkarhütte (1250 m). Nach einer kurzen Pause steigen wir ca. 700 HM  durch ein sehr steiles Kar hinauf und erreichen oben die Wegkreuzung Nr. 618/619 und 66. Man sollte für diesen Aufstieg genügend Flüssigkeit (Getränke) mitnehmen, denn die Sonne kann ganz schön unbarmherzig sein. Wir folgen dem Weg Nr. 66 hinunter zum Silberkarsee (1800 m). Nach dem "heißen" Aufstieg kommt uns ein Bad im See gerade recht. Überhaupt ist dieser Ort ein kleines Paradies. Eingerahmt von hohen Wänden liegt dieser See etwas abseits der klassischen Wanderroute einsam da. Hinunter mit den Rucksäcken, der Kleidung und ab ins Wasser...Hilfe...ganz schön "frisch" das Wasser, aber immerhin eine Stunde verweilen wir im Gras.

 

Blick hinunter auf den Silberkarsee                                                Blick zurück zum Silberkarsee

Am anderen Ende des Tales steigen wir wieder hinauf zur Wegkreuzung Nr. 66/616. Oben angekommen, könnten wir glatt wieder in den See springen, es ist ein heißer Sommertag. Wir halten uns links Richtung Feisterscharte (2198 m) und sehen von derselben schon die Guttenberghütte (2147 m) unter uns liegen. Gegen 16.30 Uhr sind wir an der Hütte unserem Tagesziel angekommen. Hier hat man eine tolle Sicht hinunter auf Ramsau und auf die gegenüberliegenden Schladminger Tauern. 

2 Infos zur Tour

Gehzeiten:         6.30  mit Pausen

Aufstieg    1350 HM

Abstieg      200 HM

Einkehrmöglichkeiten:     Silberkarhütte

Hinweis:                         Genügend Getränke mitnehmen! Man geht den ganzen Tag in der Sonne.



2. Tag 01.08.01


1 Tourenverlauf


Der nächste Morgen. Das Wetter ist gut, es scheint die Sonne. Wir "springen" um 6.45 Uhr aus dem Lager, denn wir wollen den Jubiläums Steig vor der eigentlichen Tagestour setzen. Die Rucksäcke lassen wir beim Hüttenwirt zurück, damit wir frei diesen als "schwer" eingestuften Klettersteig gehen können. Es ist 8.00 Uhr als wir den AV-Weg  Richtung Gruberscharte einschlagen, nach ca. 15 min gehts rechts im Geröll mühsam zum Einstieg des Klettersteigs (2300 m). Wir legen das Klettersteigset an und folgen der steilen und sehr exponierten Route über den Südgrat zum Gipfel des Eselsteins (2556 m). Anfänglich zeigte sich der Steig eher "leicht" aber dann... einige senkrechte Stellen und Überhänge rechtfertigen die Kategorie "schwer". Oben vom Gipfel können wir unsere Tagesetappe, den Raumsauer Klettersteig und den parallel laufenden Ramsauer Höhenweg einsehen. Der Abstieg erfolgt ostseitig zur Feisterscharte und zurück zum Guttenberghaus. Nach 1. 50 Stunde sind wir wieder an der Hütte, nehmen unsere Rucksäcke auf und laufen nun wieder zur Gruberscharte (2361 m). Hier beginnt der "Ramsauer" Klettersteig. Mit einigen Sicherungen versehen gehts bergan zur Hohen Rams (2551 m) und über den Kamm im Auf und Ab zur Scheichenspitze (2667 m). Der Blick hinunter nach Ramsau und hinüber zum Dachstein ist phantastisch. 


Wegverlauf des Klettersteigs zur Scheichenspitze (rechts)

Über Geröll hinab, umgehen wir mit Hilfe solider Sicherungen den Schmiedstock (M.E. die schwierigste Stelle)  und steigen nun hinauf auf die Hohe Gamsfeldspitze (2655 m). Von hier folgen wir einer Geröllspur an der niederen Gamsfeldspitze vorbei  zur Edelgrieshöhe (2489 m). Der Steig ist mit Rucksack recht anstrengend und auch lang (4 Stunden Gehzeit mit kurzen Pausen). Nun erwarten uns 1000 HM !!!! Abstieg ins Edelgries. Anfänglich etwas gesichert (mit Drahtseilen) "rutscht" man mehr den Steig hinunter als das man geht. An der Karmündung folgen wir dem Weg Richtung Austriahütte  und halten uns weiter rechts zur Talstation Türlwand (1692 m). Neben der Talstation liegt die Türlwandhütte, ein Hotel, wo wir einkehren. Von hier ist auch die Dachsteinsüdwandhütte (1871 m) zu sehen, ca. eine halbe Stunde Fußweg. Auch die Dachsteinsüdwand, wodurch der Klettersteig "Johann" geht, können wir gut einsehen. Wir entscheiden uns kurzfristig ein Zimmer mit Dusche zu nehmen und freuen uns auf ein üppiges Abendessen...was sind wir doch  für "Bergwanderer"! Naja..es war ja auch eine anstrengende Tagestour!!

2 Infos zur Tour

Gehzeiten:         8.15  mit Pausen

Aufstieg    1210 HM

Abstieg     1680 HM

Einkehrmöglichkeiten:     keine (Wasser mitnehmen!)

 

3. Tag 02.08.01

1 Tourenverlauf

Start ist um 8.30 Uhr nach einem reichhaltigen Frühstück. Auch hier lassen wir die Rucksäcke zurück, damit wir "frei" den Johann machen können. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Dachsteinsüdwandhütte. Der Hüttenwirt zeigt uns den Zugang zum Klettersteig der immerhin noch gut 1 Stunde von der Hütte weg ist. Gegen 10.30 Uhr stehen wir vor dieser Wand...Es sind drei weitere Gruppen hier, die ebenfalls den "Johann" hinauf wollen. Und weil der Klettersteig sehr lang ist und äusserst exponiert, sprich 100 m Vertikal!!!!, hat man den Einstieg besonders schwer gestaltet. An einem Überhang, ca. 8 m) muss man(n) und frau mit Technik und viel Kraft diese Stelle meistern, so ist sichergestellt, dass sich die "Spreu" vom "Weizen" trennt. Ein Umkehren ist mE.weder ratsam noch möglich. Einige der anderen Gruppenmitgliedern treten nach erfolglosen Versuchen (mehrfach wieder hinuntergefallen) den Rückweg an. Meine Besorgnis, Vera könnte es ebenfalls nicht schaffen, lösen sich in Wohlgefallen auf. Behände "turnt" sie den Überhang hinauf und hinterläßt sprachlose Gesichter! Ich ziehe gleich hinterher und dann steigen wir weiter hinauf. Im unteren Teil gibt es wenig Stellen, wo man mal kurz verweilen kann. Der Steig ist sehr gut gesichert, aber die "Tiefblicke" sind schon respekteinflößend. Weiteres Highlight des Steigs ist eine ca. 100 Meter lange Vertikale. 

    

Am Einstieg des "Johann" Klettersteig                                                           Ca. 100 HM senkrecht nach oben

Wer den Einstieg gemeistert hat, ist auch in der Lage sein den Rest zu gehen. ABER: Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollten vorhanden sein. Es ist ein Steig für Erfahrene bzw. für fortgeschrittene Klettersteiggeher. Im letzten Teil neigt sich der Weg etwas und man erreicht den Ausstieg bei 2741 m bzw. an der Dachsteinwartehütte (Seethalerhütte). 

      

Die Route durch die Südwand zum Ausstieg Dachsteinsüdwandhütte     Vera (die Wahre) auf dem "Götterthron"

Hier "erschlägt" einen fast der Trubel, denn viele Wanderer nutzen die Hunerkogelbahn, um über den Gletscher (gespurter Weg) in ca. einer halben Stunde diese Hütte zu erreichen. Wir hatten unterwegs im Steig einen "Mitstreiter" aus Innsbruck getroffen, mit dem wir nun hier oben die Tour "nacharbeiten" Eine halbe Stunde später machen wir uns auf den Weg zur Hunerkogelbahn, während der andere Bergkamerad noch "schnell" den Dachsteingipfel besteigt. An der Bergstation angekommen, fahre ich mit der Bahn (ca. 40,- DM Berg-und Talfahrt) hinunter zum Hotel, um die Rucksäcke zu holen. Vera indessen entspannt auf der Aussichtsterasse der Bergstation. Gegen 15.00 Uhr sind wir wieder beisammen und nun wandern wir über den Hallstätter Gletscher hinab zur Simonyhütte (2206 m)

Blick zurück über den Hallstätter Gletscher. Die Die Route verläuft links im Schneefeld.

Vera fühlt sich nicht ganz wohl auf dem Gletscher, den es sind doch so einige Spalten zu sehen und auch ein Mitarbeiter des Schlepplifts, an dem wir vorbei gehen, weißt uns auf diese Gefahren hin. Am Gletscherauslauf hat sich durch die Kraft des Eises eine skurrile Landschaft gebildet, glattpolierte Felsen, aufgeschütteter Schotter. Bevor wir zur Hütte kommen, machen wir am Gletscherbach noch einmal Rast und ich lege mich in das eiskalte Wasser...ich mag´s halt und es ist ein heißer Tag! Gegen 16.30 Uhr erreichen wir die Simonyhütte. 

Viele, viele kleine Hundehütten...

Die Hütte stinkt!! Mag es an den Hunden (ca. 16 Huskies) leben hier, oder an dem Gesamteindruck mit einem etwas schmuddeligen Hüttenwirt.. wir wissen es nicht. Jedenfalls hat uns die Hütte und der Service (Wir erwarten keinen full service, aber Höflichkeit sollte das Minimum sein) nicht gefallen und empfehlen werden wir sie nicht! Anzumerken sei, dass diese Hütte Ausbildungsstützpunkt des DAV Summit Clubs ist. 

 

2 Infos zur Tour

Gehzeiten:         8.00  mit Pausen

Aufstieg    1110 HM

Abstieg      730 HM

Einkehrmöglichkeiten:     Dachsteinsüdwandhütte  (Wasser für den Klettersteig mitnehmen!)



4. Tag 03.08.01


1 Tourenverlauf


Wir starten gegen 8.30 Uhr von der Simonyhütte und erreichen schon nach ca.20 Minuten den Einstieg des Wildkarsteigs (Kategorie "schwer"). Ein Steig kurz und knackig... Zunächst warten wir das Wetter ab, hatten wir die vergangenen Tage immer sehr schönes und heißes Wetter, ist es heute bedeckt und sieht nach Regen aus. Nun, da sich das Wetter nicht entscheiden kann, tun wir es... Diesmal mit Rucksack steigen wir ein. Nach ca. 40 m gibt es einen Überhang und danach eine 12 m senkrechte Platte. Vera kommt mit ihrem schweren Rucksack nicht über den Überhang hinaus.

             In der Bildmitte  zu erkennen, der Überhang.

Bevor sie von ihren Kräften gänzlich verlassen wird, steigen wir wieder hinab. Auch kein Vergnügen einen Klettersteig hinab zu gehen. Nun dann gehen wir halt den normalen Wanderweg zur Adamekhütte (2196 m). Über den hohen Trog (2355 m), dann hinab zur Roßwandscharte (2187 m) und weiter durch eine Steinwüste (geprägt durch Gletscherschliff), folgen wir den Markierungen zum Weg 614 der uns dann wohlbehalten zur Adamekhütte führt. Da wir recht früh an der Hütte sind geniessen wir einen absolut leckern Kaiserschmarren... Leute den kann ich nur empfehlen!!! Von hier sehr gut zu sehen ist der Aufstieg über den Gosaugletscher zum Dachsteingipfel hinauf dem wir morgen angehen wollen.

Blick hinauf über den Gosaugletscher auf den Dachstein (Routenverlauf rot)

Den Abend verbringen wir gemeinsam mit einer netten Dame und ihrem Bergführer (alpinschule innsbruck) der jedes Jahr eine 14 tägige Tour mit ihr unternimmt und das schon seid 15 Jahren. Er beschreibt uns noch mal den Weg über den Gosaugletscher, weißt auch auf die Spalten hin. Später, der Hüttenwirt hat sich zu uns gesellt, erzählt jeder von seinen bisherigen Unternehmungen angereichert mit erlebten Anekdoten. 

 

2 Infos zur Tour

Gehzeiten:         6.10  mit Pausen

Aufstieg     740 HM

Abstieg      600 HM

Einkehrmöglichkeiten:     keine  (Wasser für den Klettersteig mitnehmen!)



5. Tag 05.07.01


1 Tourenverlauf


Heute kommt die letzte, die Königsetappe! Zunächst wollen wir über den Gosaugletscher, anschließend auf den Dachsteingipfel, auf der anderen Seite an der Dachsteinsüdwandhütte vorbei zur Bergstation Hunerkogel, um dann hinab ins Tal zu fahren. 

Ganz allein starten wir in der Frühe. Nur das Rauschen des Wassers vom Gletscher ist zu hören. Nach 1 Stunde erreichen wir die Obere Windlucke (2779 m), na der Name passt. Beeindruckend die abfallende Südwand des Dachsteinmassivs, an der wir nun stehen. Diese Etappe ist mehr Hochtour mit Fels und Gletschereis als Klettersteig. Den Sicherungen folgend steigen wir den gestuften Westgrat zum Hohen Dachstein (2995 m) hinauf. Keine Schwierigkeit! Oben auf dem Gipfel eine phantastische Rundumsicht (noch) Die gesamte zurückgelegte Tour kann man von hier sehen.. Es folgt der Eintrag ins Gipfelbuch, die obligatorischen Fotos und dann wollen wir wieder hinab.

         

Auf dem Hohen Dachstein (2995 m)                                    Abstieg vom Gipfel

Aber von der anderen Seite kommen so viele Bergsteiger hinauf, dass wir recht lange warten müssen. Eine Gruppe, die ebenfalls hinab will besteht aus 9 Personen und einem Bergführer, der seine Kunden "zusammengeleint" hat. 

   

Blick zur Dachsteinsüdwand und dem Einstieg "Johann"                               Abstieg vom Dachstein

Nicht nur das es meiner Meinung nach zu viele sind, sie sind auch sehr unsicher im Gelände! Einen zehnten Kunden konnte er nicht mehr mitnehmen, weil dieser zu spät den Treffpunkt erreichte und sich nur noch dranhängen konnte. Er klettert nun ohne Sicherung der Gruppe hinterher, ganz schön risikoreich. Jedenfalls hängt er sich nun an uns dran,  weil er schon beim Aufstieg über den Gletscher große Mühe hatte und wir das so genannte "Mecklenburgband" und die "Schulter" als sicheren Abstieg wählen. Denn meistens ist die Randkluft zwischen Gletscher und Fels recht heikel.

Am Ausstieg (Schulter) Dachsteinklettersteig. Über Mecklenburgband.

Auch quert man beim Aufstieg/Abstieg eine gut sichtbare Spalte. Daher gilt für uns der andere Weg. Unten angekommen bedankt sich unser Begleiter für die Unterstützung. Gemeinsam gehen wir zur Hunerkogelbahn. Mit dieser fahren Vera und ich wieder hinab ins Tal. Nebenbei haben wir noch ein nettes Paar kennen gelernt, welches uns von der Talstation zu unserem Auto bringt. 

Insgesamt eine tolle Woche Dachstein. Gutes Wetter, anspruchsvolle Klettersteige und die neue Erfahrung "Gletscher". 

2 Infos zur Tour

Gehzeiten:         6 Stunden  mit Pausen

Aufstieg    800 HM

Abstieg     300 HM (ohne Seilbahn)

Einkehrmöglichkeiten:     Dachsteinsüdwandhütte, Bergstation Hunerkogelbahn

               

Übersicht über die Route

 


Verfasser: Frank Velten


Email: Kailash@gmx.de


Homepage: www.bergeonline.de


Literatur: Zeitschrift „Bergsteiger“ Heft 8/2000  (Beschreibung der Tour)


Informationen: Zu den Klettersteigen aus E.Hüsler, Klettersteigatlas 1999